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aktuelle Forschung:

Deutsch/ Italienische Filmgeschichte


"Italienischer Faschismus und deutscher Nationalsozialismus im italienischen Genrefilm"

In der Geschichtsschreibung des deutschen Films herrscht das dominante Urteil unerschütterlich vor, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit nach den Trümmerfilmen erst mit dem Autorenfilm des Neuen Deutschen Films einsetze, dem der Genrefilm diametral entgegen zu stehen scheint, wird doch in diesem die Unterhaltungskultur der nationalsozialistischen Zeit vermeintlich ungebrochen fortgesetzt. Insbesondere die eminent erfolgreichen Heimatfilme wurden und werden zumeist als eskapistisches Trivialkino rezensiert, die als narrativen Fetischismus eine intakte Heimat inszenieren, die der Blut-und-Boden-Ideologie allzu nahe steht und den Nationalsozialismus und in der der zweite Weltkrieg verdrängt ist. Auch die Kriegsfilme und Karl-May-Western wurden trotz ihrer Anklänge an eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ob ihrer simplifizierenden schwarz-weiß-Zeichnung des 'guten Wehrmachts-Soldaten' und des 'bösen SS-Offiziers' kritisiert.
Diese Diagnose unterschlägt nicht allein diffizile Verhandlungsfiguren in den Genres, sondern auch die zeitgleiche Rezeption ausländischer Filme in der BRD. Insbesondere der populäre italienische Film ist hierbei jedoch hoch interessant, da dieser seit dem Peplum der späten 50er Jahre die faschistische Vergangenheit verhandelt. In komplexen seriellen Prozessen wird eine hoch ambivalenter populärer Mythos modelliert, der von jedem nachfolgenden Genrezyklus aufgegriffen und aktualisiert, reperspektiviert und neu problematisiert wird. Die konstitutive Hybridität der italienischen Genres wird als Motor dieser bis in die 80er Jahre fortdauernden, populärkulturellen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und ihrer Effekte auf eine nationale Selbstbestimmung in der Gegenwart erkennbar.
Wie sich ein deutsches Publikum diese Genres, die in der BRD außerordentlich erfolgreich im Kino und im Fernsehen liefen, aneignen konnte, um sich durch die italienische Vergangenheitsarbeit als einem verfremdetem Diskurs mit dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen, wird anhand des Peplum, des Italowestern, des Poliziesco, des Gothic-Horror, des Giallo und des Sadiconazistas diskutiert.

Bei dem Text handelt es sich um meine Master Thesis, die 2010 von der Washington University in Saint Louis (USA) angenommen wurde.
Die ursprüngliche Fassung wurde von der Bibliothek der Washington University online publiziert: WashU.
Eine neu formatierte und leicht modifizierte Fassung finden Sie hier.



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 Letzte Änderung: 24.11.2011