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Deutsch/ Italienische Filmgeschichte "Italienischer Faschismus und deutscher Nationalsozialismus im italienischen Genrefilm"
In der Geschichtsschreibung des
deutschen Films herrscht das dominante Urteil
unerschütterlich vor, dass eine
ernsthafte Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen
Vergangenheit nach den Trümmerfilmen erst
mit dem Autorenfilm des Neuen Deutschen Films einsetze, dem der
Genrefilm diametral entgegen zu stehen scheint, wird doch in diesem die
Unterhaltungskultur der nationalsozialistischen Zeit vermeintlich
ungebrochen fortgesetzt.
Insbesondere die eminent erfolgreichen Heimatfilme wurden und werden
zumeist als
eskapistisches Trivialkino rezensiert, die als narrativen Fetischismus
eine
intakte Heimat inszenieren, die der Blut-und-Boden-Ideologie allzu nahe
steht und den Nationalsozialismus und in der der zweite Weltkrieg
verdrängt ist. Auch die Kriegsfilme und Karl-May-Western wurden
trotz ihrer
Anklänge an eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit ob ihrer
simplifizierenden schwarz-weiß-Zeichnung des 'guten
Wehrmachts-Soldaten' und des 'bösen SS-Offiziers' kritisiert.
Bei dem Text handelt es sich um meine Master Thesis, die 2010 von der
Washington University in Saint Louis (USA) angenommen wurde.Diese Diagnose unterschlägt nicht allein diffizile Verhandlungsfiguren in den Genres, sondern auch die zeitgleiche Rezeption ausländischer Filme in der BRD. Insbesondere der populäre italienische Film ist hierbei jedoch hoch interessant, da dieser seit dem Peplum der späten 50er Jahre die faschistische Vergangenheit verhandelt. In komplexen seriellen Prozessen wird eine hoch ambivalenter populärer Mythos modelliert, der von jedem nachfolgenden Genrezyklus aufgegriffen und aktualisiert, reperspektiviert und neu problematisiert wird. Die konstitutive Hybridität der italienischen Genres wird als Motor dieser bis in die 80er Jahre fortdauernden, populärkulturellen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und ihrer Effekte auf eine nationale Selbstbestimmung in der Gegenwart erkennbar. Wie sich ein deutsches Publikum diese Genres, die in der BRD außerordentlich erfolgreich im Kino und im Fernsehen liefen, aneignen konnte, um sich durch die italienische Vergangenheitsarbeit als einem verfremdetem Diskurs mit dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen, wird anhand des Peplum, des Italowestern, des Poliziesco, des Gothic-Horror, des Giallo und des Sadiconazistas diskutiert. Die ursprüngliche Fassung wurde von der Bibliothek der
Washington University online publiziert: WashU.
Eine neu formatierte und leicht modifizierte Fassung finden Sie hier. |
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