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SNUFF
Snuff ist ein problematisches Thema. Die Vorstellung des realen,
gewaltsamen Todes im Film und einzig für den Film ist – gelinde gesagt –
schockierend. Entsprechend groß sind die Ressentiments gegen dieses Thema. Und
obwohl bisher kein Fall der öffentlichen Zirkulation dieser Filme bekannt
geworden ist, hält sich das Thema beständig in den letzten 30 Jahren im
kollektiven Gedächtnis, indem es zuletzt zum Beispiel immer wieder im Kontext
von Berichterstattungen über Kinderpornographie oder Kannibalismus – wie
insbesondere im berühmten Rothenburger Fall – zur Sprache kam. Doch nicht nur
im Kontext dieser Verbrechen ist Snuff präsent, sondern auch die Zahl der
fiktionalen Filme über Snuff ist in den letzten Jahren explosionsartig
gestiegen. Während man sich im englischsprachigen Raum diesem Thema daher
bereits wissenschaftlich zugewandt hat, wird das Thema im deutschsprachigen
Raum noch immer – bis auf wenige
Ausnahmen wie etwa Marcus Stigleggers Beitrag im Reclam Filmlexikon – gemieden.
Hinter diesem scheinbar so einfachen und daher schnell verurteilten Konzept
Snuff verbirgt sich jedoch eine sehr komplexe Figur, in der sich diverse
Debatten nicht nur über Medienethik und Mediengewaltdarstellungen, sondern vor
allem auch den filmischen Realismus und aktuelle Fragen der Medialität des
Films kristallisieren. Ich durfte davon profitieren, dass mir Prof. Dr. Claudia Liebrand in
ihrem Forschungskolloquium erlaubte, das Thema näher zu analysieren und zur
Diskussion zu stellen, obwohl es keinem der Beteiligten dabei recht geheuer
war. Die gegenwärtigen Ergebnisse dieses noch immer weitgehend unerforschten
Forschungsfeldes sind in diesem Text zusammengefasst. Das Ziel ist nicht, Snuff
seinen Schrecken zu nehmen oder zu nobilitieren, sondern aufzuzeigen, wie
produktiv auch eine kritische Auseinandersetzung mit solch einem Thema sein
kann. Die vorliegende, bewusst offen konzipierte Abhandlung diskutiert zwei
zentrale Positionen: (1) Snuff als eine Diskursfigur, durch die soziale Konzepte
über den filmischen Realismus modelliert werden und durch die wiederum Filme
selbstreflexiv diese Konfiguration und ihren eigenen Realismusanspruch
diskutieren können. (2) Snuff als Konzentration der Debatte, inwiefern jeder
Realismus immer gekoppelt ist an die Materialität und Medialität des Films, die
Organisation dieser drei Aspekte durch das Paradox des Todes und deren aktuelle
Brisanz seit dem ‚digital turn’. Der Text war ursprünglich als ein poststrukturalistisches Manifest,
gleichsam als eine exzessive wissenschaftliche ‚Jugendsünde’ geplant, doch
wurde zur Erleichterung der Lektüre um ca. 1200 Worte gekürzt und komprimiert.
Der Text wurde dennoch insbesondere für seine Sperrigkeit, seine schwere
Zugänglichkeit heftig kritisiert; aufgrund mangelnder Zeit zur erneuten
Überarbeitung – geplant war die Aufteilung in drei Abhandlungen – muss das
Projekt leider vorerst in dieser Form als lediglich ein Überblick über den
aktuellen Forschungsstand präsentiert werden:
Die filmische Agonie des Realen
Snuff als produktive Diskursfigur zur Annäherung an Problematiken des
Realismus und der Medialität des Films im Digitalzeitalter
Diverse Ergänzungen bzw. Afterthoughts zum Text sind zu finden im Wunderblog. This paper offers a short summary of some key arguments as well as a sketch for reading John Carpenter's Cigarette Burns negotiating snuff and recent tendencies of cinematic horror and realism: Snuff & Cigarette Burns. |
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