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Ein Schaudern muss einen jeden befallen,
der sich vergegenwärtigt, wie viel Forschung, die von Studierenden in
Hausarbeiten und Abschlussarbeiten geleistet wird, verloren geht, da diese nie
veröffentlicht werden. Aus persönlicher Unzufriedenheit über diese traurige
Tatsache will ich daher folgend in aufsteigender, chronologischer Reihenfolge
eine Auswahl meiner Forschungsergebnisse anbieten:
Blauer Engel oder Mockingbird?
– Der intramediale Hegemonialdiskurs des Tonfilms im Film Der Blaue Engel: Obwohl in der inzwischen ca. sechzigjährigen Forschungsgeschichte zum Film Der Blaue Engel immer wieder auf die unterschiedlichen Schauspielstile des großen Stummfilmstars Emil Jannings und der durch den Film zum Tonfilmstar avancierten Marlene Dietrich hingewiesen und die Bedeutung des Films in der deutschen Filmgeschichte als erster deutscher Prestige-Tonfilm betont wurde, war doch bisher nie genauer betrachtet worden, in welchen Prozessen sich dieser Wandel vom Stummfilm zum Tonfilm im Film selbst darstellt. Über die Kristallisationspunkte der Stars, die paradigmatisch rückblickend für den Stummfilm (Jannings) bzw. voraus weisend für den Tonfilm (Marlene) stehen, wird in Der Blaue Engel ein intramedialer Hegemonialdiskurs geführt, im Zuge dessen der Tonfilm als neuer Standard etabliert, naturalisiert und im Publikum samt einem Begehren nach dessen Inszenierungsstrategien implementiert wird. Der Text wurde im Wintersemester 2008/2009 bei Prof. Dr. Claudia Liebrand im Rahmen ihres Seminars „Theater im Roman“ erstellt.
Diese Argumentation wurde in einer Analyse von Fritz Langs zweitem Tonfilm Das Testament des Dr. Mabuse (1933) fortgesetzt. Dieser wird allegorisch lesbar als Diskussion eines Medialitätskonzeptes, in dem durch den intramedialen Hegemonialdiskurs ein mediales Unbewusstes konstituiert wird. Der Stummfilm bricht immer wieder durch im Tonfilm unterdrückte Inszenierungsstrategien wie die Schrift als Zwischentitel oder aber durch im Realismus des frühen Tonfilms unterdrückte selbstreflexive Inszenierungen von Doppelgängern und Überblendungen störend, geradezu parodierend in den Tonfilm ein. Siehe hierfür den Text Das Testament des Dr. Mabuse (1933): intramedialer Hegemonialdiskurs und mediales Unbewusstes im Wunderblog.
the SAW is FAMILY. Die
abject family im soziokulturellen Wandel in der Texas Chainsaw Massacre Serie
1974 – 1994: Die kannibalistische, texanische Familie Sawyer gehört zu den populärsten Figuren des post-klassischen amerikanischen Horrorfilms. Die Filmserie zählt zu den wenigen Horrorserien, die konsequent in jeder Generation fortgesetzt wurde und der zuletzt sowohl ein Remake als auch ein Prequel gewidmet wurde – die jedoch leider im Text nicht mehr berücksichtigt werden konnten. Die Filme schreiben diesen medialen Familienroman konsequent fort und in ihren Aktualisierungen um: Die Serie verhandelt damit die Transformationen und Diversifikation amerikanischer Familienmodelle im soziokulturellen Wandel. Außerdem wird im Text das Konzept der abject family genauer umrissen und über dieses Konzept als genre-konstituierendes Merkmal das in der bisherigen Forschung zum Horrorfilm kaum beachtete Genre des Backwoods-Horror beschrieben. Über dieses und dessen Zyklen gesteigerter medialer Aufmerksamkeit (Produktion und Rezeption) in den 70ern und in der jüngsten Vergangenheit wird zudem ein Konzept der Produktivität von Genrezyklen in den cultural studies zum Zwecke einer populärkulturellen Markierung und Historisierung gesellschaftlicher Prozesse skizziert. Der Text wurde im Wintersemester 2007/2008 bei PD Dr. Jörn Glasenapp im Rahmen seines Seminars „“There’s no place like home”: Kinematographische Wunsch- und Familienbilder“ erstellt. Zeichen der Macht.
Interpunktion, Machtstrukturen und Selbstreferenzialität in Kleists Die Verlobung in St. Domingo Obwohl immer wieder in der Forschung zu Heinrich von Kleist auf die interpretatorische Bedeutung der Interpunktion hingewiesen wurde, blieb seine Setzung der Anführungszeichen bisher unberücksichtigt – zu chaotisch und willkürlich erschien diese. Doch anhand des Textes Die Verlobung in St. Domingo habe ich versucht nachzuweisen, dass dem nicht so ist, sondern die Setzung der Anführungszeichen in der Figurenrede die Verhandlungsprozesse und Dynamiken von Machtstrukturen formal reflektiert. Der Text wurde im Wintersemester 2006/2007 bei Dr. T. K. Pusse im Rahmen ihres Seminars zu Heinrich von Kleist erstellt. The LAURA ( HUNT ) (
MURDER ) CASE. Über den Konflikt zweier Detektivtypen im film noir Laura: Während der Mörder Waldo Lydecker im film-noir-Klassiker Laura bisher überwiegend als homme fatal gelesen wurde, weist er doch erstaunlich viele Ähnlichkeiten mit der Figur des klassischen Detektivs bzw. Great Detectives á la Philo Vance oder Sherlock Holmes auf. Mit diesem Lektüreschlüssel lässt sich der Film als ein Hybrid aus zwei Detektivtypen und dadurch als Hybrid zweier Genres lesen: classical-detective-fiction und hard-boiled-detective-fiction. Im Film vollzieht sich eine Inversion der Hierarchie dieser zwei Genres, da die Dominanz in der Mitte des Films vom Detektivfilm zum film noir umschlägt. Der Text wurde im Wintersemester 2005/2006 bei Gereon Blaseio im Rahmen seines Seminars zum film noir erstellt.
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