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Körperpolitiken & Wundästhetiken
(WS 08/09, mit
Nils Bothmann)
New
Hollywood (SS 08)
Genre:
Der Giallo (WS 07/08)
Der Phantastische Film (WS 07/08, mit Nils Bothmann, Tobias
Haupts und Thorsten Hohgräwe)
Gewaltfilme – Gewalt und Medien (SS 07, mit Nils Bothmann, Tobias Haupts und
Thorsten Hohgräwe)
Der asiatische Film, Teil 2 (WS 06/07, mit Stefan Borsos)
Zweck der Workshops:
Die
wöchentlich stattfindenden, filmwissenschaftlichen Workshops werden vom
Fachschaftsrat der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft zu folgenden Zwecken
den Studierenden aller Studiengänge angeboten:
-
Sichtung seltener und/ oder besonderer Filme in einem dem Kino ähnlichen
Ambiente.
-
Übung im wissenschaftlichen Arbeiten durch Beteiligung an kurzen Referaten und insbesondere an den
lebhaften Diskussionen, ohne der kritischen Bewertung eines Dozenten und dem
Druck eines Scheinerwerbs ausgesetzt zu sein.
- Erstsemestern werden viele Fertigkeiten im Umgang mit Filmen und ihrer Lektüre
beigebracht. Es sind keinerlei Vorkenntnisse erforderlich. Grundlegende Begriffe der Filmwissenschaft
werden in den Diskussionen
und Einführungen näher erläutert.
-
Studierenden im höheren Fachsemester wird die Möglichkeit zur Erweitern, Aktualisierung
und Neu-Vernetzung ihres vorhandenen Wissens geboten.
- Aus den
Diskussionen gehen oft wertvolle Ideen und Anregungen zu Themen
für Hausarbeiten und/ oder Zwischenprüfungen bzw.
Magisterprüfung hervor.
Anmerkung zu den Materialien:
Bei
den Workshops – die in Kooperation mit meinen Kollegen Tobias Haupts, Thorsten
Hohgräwe und Nils Bothmann entstanden und veranstaltet wurden –
basiert die Auswahl der Themen und Filme zwar auf einem gemeinsamen
Beschluss, doch die
intensive Vorbereitung und Durchführung einzelner Sitzungen oblag jeweils
nur der Verantwortung eines einzelnen von uns.
Daher stelle ich zwar Filmplan und (Original-)Kommentartext für alle, doch
Film- und Literaturhinweise nur für diejenigen Sitzungen zur Verfügung, für die
von mir verantwortet und geleitet wurden.
Die Workshops:
KÖRPERPOLITIKEN & WUNDÄSTHETIKEN (WS 08/09, mit Nils Bothmann)
Der menschliche Körper wird
mit Vorliebe im Film dargestellt – auch die Zersetzung desselben, spätestens
seit Herschell Gordon Lewis’ „Blood Feast“, aber auch zeitgenössische
Regisseure wie Quentin Tarantino, Sam Raimi oder Peter Jackson untersuchten die
Auflösung der menschlichen Physis. In dem Workshop soll die Darstellung von
Wunden und körperlicher Metamorphosen untersucht werden, von Sam Peckinpahs
„The Wild Bunch“ über „Untold Story“ bis hin zu dem aktuellen „John Rambo“.
Dabei stehen unterschiedliche Genres wie der Western, der Thriller oder der
Horrorfilm ebenso im Fokus wie regionale Darstellungsweisen, z.B. Italien,
Hongkong oder die USA.
Literatur zur Einführung:
Köhne, Julia/ Kuschke, Ralph/
Meteling, Arno [Hg.]: Splatter Movies. Essays zum modernen Horrofilm.
Bertz+Fischer. Berlin 2005.
Robnik, Drehli: Der Körper ist OK. Die
Splatter Movies und ihr Nachlass. In: Felix, Jürgen [Hg.]: Unter die Haut.
Signaturen des Selbst im Kino der Körper. Gardes!-Verlag. St.
Augustin 1998. S. 235 – 278.
McCarty, John:
Splatter Movies. Breaking the Last Taboo of the Screen. St
Martin’s Press. New York
1984.
(Text
von Nils Bothman)
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NEW HOLLYWOOD (SS 08)
Kuba-Krise. JFK-Attentat. Rassenunruhen. Martin-Luther-King-Attentat.
Vietnam-Krieg. Production Code. Paramount-Beschluss. Sinkende Zuschauerzahlen.
Road Show. Feminismus. Hippiekultur. Studentenproteste. Richard Nixon.
Massenmedium TV. Ästhetische Stagnation. Erfolglose Prestigeproduktionen.
Sinkende Gewinne.
Zu
einer Zeit, als die amerikanische Gesellschaft durch einige der schwersten
Konflikte ihrer Geschichte in ihren Grundfesten erschüttert wurde, war das
klassische Hollywoodkino in einer tiefen ökonomischen und ästhetischen Krise
gefangen und drohte, sich unrettbar von seinem Publikum zu entfremden.
Als
verzweifelter Rettungsversuch öffnete sich Hollywood für neue Impulse und wagte
grundlegende Neuerungen in allen Bereichen. New Hollywood bezeichnet diese
legendäre Ära von ca. 1967 bis 1976, als Einflüsse aus Avantgarde und
counterculture explosionsartig eine womöglich einmalige Dynamik initiierten und
in der langlebigsten und dominantesten Filmindustrie der Welt kühne Experimente
mit dem Medium und dem Publikum und provokante Tabubrüche möglich waren.
Die
jungen Wilden und movie brats, aber auch bekannte Außenseiter und Veteranen
Hollywoods konnten allesamt aus den kreativen Freiheiten zum Bruch mit
Konventionen und Traditionen und zur Aktualisierung beinahe vergessener Genres
und Stile sowie dem Mut zur Radikalität der Inszenierungen bei gleichzeitiger
Sensibilität für die essentiellen Probleme ihrer Zeit ein alternatives
Hollywood gestalten, dessen neue Technik, Ästhetik, Genres, Erzählstile und
Stars bis heute unvergessen sind.
In
den film studies ist New Hollywood aber auch oft das Label für das
Hollywoodkino seit den späten 60ern, was nicht nur die filmhistorische
Bedeutung dieser massiven Zäsur unterstreicht sondern auch kommuniziert, dass
viele der damaligen Innovationen bis heute nachwirken.
Einführende Literatur:
Dammann, Lars: Kino im Aufbruch. New
Hollywood 1967-1976. (Aufblende. Schriften zum Film. Herausgegeben von Heinz-B.
Heller und Knut Hickethier. Band 11). Schüren. Marburg 2007.
Engell, Lorenz: Sinn und Industrie.
Einführung in die Filmgeschichte. Campus Verlag. Frankfurt
aM 1992. S. 275 – 285.
Krämer,
Peter: The New Hollywood.
From Bonnie and Clyde to Star Wars. Wallflower. London/ New York 2005.
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GENRE: DER GIALLO (WS 07/08)
Im Genre-Lektürekurs wollen wir den Genre-Begriff anhand der
intensiven und exploratorischen Betrachtung und Diskussion eines einzelnen
Genres exemplarisch durchdeklinieren. Methodisch soll dies durch die gemeinsame
Filmlektüre und Diskussion des Genres Giallo erzielt werden.
Zentrale Themen
werden u. a. sein:
(Wie)
Kann man ein einzelnes Genre bestimmen, ein- und abgrenzen? Mögliche Kriterien
der Genre-Konstruktion:
Ikonographie,
Narration, Rezeption, Konventionen. Syntax und Semantik eines Genres. Genre
& Gender. Genre im Kontext einer nationalen Filmindustrie. Historische/
soziale/ kulturelle Kontexte. Nachträglichkeit des Genres. Dynamiken, Transformationen
und Phasen von Genres. Genre-Hybridität. Gegenseitige Beeinflussung von Genres.
Probleme des Subgenre-Begriffs. Genre vs. Zyklus vs. Stil. Nationales Kino
& interkultureller Austausch. Autoren vs. Genre / Autoren & Genre.
Probleme des Kanons. Hochkultur vs. Trivialkultur. Filmgeschichtsschreibung und
Positionierung des Genres darin. Zensur & Tabus im kulturellen Kontext und historischen
Wandel. Nationale und internationale Distribution.
Einige Antworten auf
die Frage: Warum der Giallo?
Wie viele andere italienische Genres
[Sandalenfilm,
Italowestern, Zombiefilm, Kannibalenfilm] wurden Gialli hauptsächlich innerhalb eines bestimmten
Zeitraums produziert, was wiederum den Filmkorpus überschaubarer macht.
Einerseits kennen die meisten Studierenden wahrscheinlich kaum Gialli und sind
damit unvoreingenommener und distanzierter dem Genre gegenüber, andererseits
sind andere Genres [Kriminalfilm,
Horrorfilm, Melodram],
zu denen der Giallo diverse Bezüge aufweist, sehr prominent und deren vage
Kenntnis kann bei den meisten Studierenden trotz ihrer hohen Heterogenität
angenommen werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Giallo Thema eines Seminars
war oder sein wird, ist außerordentlich gering, so dass der Genre-Lektürekurs
eine Ergänzung statt eine Wiederholung innerhalb der Genrediskussion ist. Vor
allem aber ist der Giallo bisher international wenig erforscht, so dass den
Studierenden die außergewöhnliche Möglichkeit gegeben ist, in dem
Genre-Lektürekurs tatsächlich selbst filmwissenschaftliche 'Pionierarbeit' zu
leisten.
Versuch einer Antwort auf die problematische Frage: Was ist
der Giallo?
Manch einer wird sagen, es handle
sich um Thriller mit blutigen Morden an schönen Frauen. Dann wird einer
ergänzen, es handle sich um Mörder in schwarzen Handschuhen und ihr Motiv sei
Gier. Manch anderer wird sagen, es handle sich um einen Hybrid aus Thriller und
Slasher, da der Mörder zunehmend soziopathischer wird, während eine anderer
ergänzt, es sei eine kulturelle Adaption und Transformation von
Edgar-Wallace-Filmen aber auch der Vorläufer des Slashers. Ganz ein anderer
wird sagen, das seien die berühmtesten Filme von italienischen Meister-Regisseuren
wie Mario Bava, Dario Argento, Sergio Martino, die keine Horror- oder
Sandalenfilme oder Italowestern sind. Worauf ein anderer ergänzen mag, es
handle sich um einen der eindrucksvollsten, wichtigsten und einflussreichsten ästhetischen
Stile der 70er überhaupt. Wieder ein ganz anderer wird sagen, es handle sich lediglich
um die Literaturverfilmungen von diversen Romanen in gelbem Einband – Gialli – zwischen
1963 und ca. 1986.
Ich sage: Das werden wir dann gemeinsam im Genre-Lektürekurs
herausfinden!
Einführende Literatur zum Giallo:
Koven, Mikel J.: La
Dolce Morte. Vernacular Cinema and the
Italian Giallo Film. Scarecrow Press.
Lanham/ Toronto/
Oxford 2006.
Needham, Gary: Playing with Genre:
Defining the Italian Giallo. In: Schneider, Steven Jay [Hg.]: Fear without
Frontiers: Horror Cinema across the Globe. FAB Press 2003. S. 135 – 145. Auch einsehbar unter:
http://www.kinoeye.org/02/11/needham11.html
(eingesehen am 07.07.2007).
Paul, Louis: Inferno
Italia. Der italienische Horrorfilm. Bertler+Lieber. München 1998. S.24 –
30.
Einführende Literatur zum Genre:
Altman, Rick: Film/Genre. bfi Publishing. London 2006, [3rd
Reprint].
Blaseio, Gereon:
Genre und Gender. Zur Interdependenz zweier Leitkonzepte der Filmwissenschaft.
In: Liebrand, Claudia/ Steiner, Ines [Hg.]: Hollywood Hybrid. Genre und Gender
im zeitgenössischen Mainstream-Film. Schüren. Marburg 2004. S. 29 –
44.
Grant, Barry Keith [Hg.]: Film Genre Reader III. University of Texas
Press. Austin 2003.
Neale, Steve: Genre and Hollywood.
Routledge. London 2000.
Schneider, Irmela:
Genre, Gender, Medien: Eine historische Skizze und ein
beobachtungstheoretischer Vorschlag. In: Liebrand, Claudia/ Steiner, Ines
[Hg.]: Hollywood Hybrid. Genre und Gender im zeitgenössischen Mainstream-Film. Schüren.
Marburg 2004. S. 16 – 28.
FILMPLAN als PDF
MATERIALIEN:
Da ich derzeit meine Forschung am Giallo fortsetze,
kann ich leider die damals zur Verfügung gestellten Literatur- und Filmlisten
hier nicht veröffentlichen.
DER PHANTASTISCHE FILM (WS 07, mit Nils Bothmann, Tobias Haupts und Thorsten Hohgräwe)
Seit
Beginn des Kinos ist Film auch immer eine Geschichte des Möglichen. Ob es die
Science Fiction ist, die den Horizont menschlicher Erfahrung ausweitet, der
Fantasyfilm, der den Menschen irdische Orte einer längst vergangenen und
dennoch unbekannten Zeit vorführt oder der Horrorfilm, der auf das Unheimliche
in uns selbst verweist: Im Mittelpunkt steht immer das Andere, das Alien und
das Monster, das Spiegelbild und der Doppelgänger, der weiße Ritter und der
dunkle Lord.
In
enger Verwobenheit mit seinen literarischen Wurzeln und Vorlagen, den Gothic
Novels, Utopien und Dystopien, den Märchen und Legenden, wird kaum ein anderes
Genre des Films so an seinen Ursprung zurück gebunden: Der Film wird zum „Es
war einmal...“ der Geschichtenerzähler und somit zum bewegten Buch.
In
diesem Workshop wollen wir uns selbst auf die Reise zu diesem Anderen begeben,
um durch Sichtung der Filme nicht nur die Topoi des Phantastischen kennen zu
lernen, sondern auch der Frage nachzugehen, wie diese Art von Filmen erzählt,
wie sie darstellt und wie sie es schafft, den Zuschauer in seinen Bann zu
ziehen.
Der Workshop findet
in Zusammenarbeit mit dem Proseminar III „Der
phantastische Film. Theorie, Geschichte und Medialität“
von Dr. Arno Meteling statt. Der Besuch des Proseminars ist jedoch nicht verpflichtend
für den Besuch dieses Workshops.
Zur Einführung für einen
Überblick über das Gebiet des phantastischen Films sei hier empfohlen:
Giesen, Rolf, Der phantastische Film. Mit
Beiträgen von Norbert Stresau und Wolfgang J. Fuchs. Mit einem Vorwort von
Ray Harryhausen, Ebersberg 1983.
Giesen, Rolf,
Sagenhafte Welten. Der phantastische Film, München 1990.
Hellmann, Christian, Der Science Fiction Film, München 1983.
Stresau, Norbert, Der Fantasy Film, München 1984.
Stresau, Norbert, Der Horrorfilm. Von Dracula zum Zombie-Shocker, München 1987.
(Text von Tobias Haupts; Quelle: http://www.uni-koeln.de/phil-fak/fs-thefife/workshops_alte_WS07.htm)
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GEWALTFILME - GEWALT und MEDIEN (SS 07, mit Nils Bothmann, Tobias Haupts und Thorsten Hohgräwe)
„Böse Filme machen böse
Menschen“. Daß diese simple und pejorative Gleichung nicht aufgeht, dürfte
allgemein anerkannt sein. Dennoch halten sich Vorurteile und Verbotsrufe gegen
diese Art von Filmen - die längst nicht so homogen sind, wie sie zu sein
scheinen - auch heute noch hartnäckig. Denn es sind längst nicht nur die
Horror- und Actionfilme der Videotheken, die durch ihr (im wörtlichen Sinne verstandenes)
Gewaltpotential auffallen. Spätestens seit Demmes Schweigen der Lämmer
(1991) hat die Gewalt es erneut auf die großen Leinwände der Kinosäle
geschafft. Was Regisseure wie Godard, Pasolini und Kubrick schon in der Mitte
des 20. Jahrhunderts versuchten, wurde in der späteren so genannten Postmoderne
erneut von Haneke, Tarantino und Noe versucht: Gewalt durch einen ästhetischen
Rahmen konsumierbar (und damit ertragbar) zu machen oder gar zu normalisieren.
In dieser Filmreihe wollen
wir uns selbst durch Sichtung dieser Filme die Frage stellen, welchen Platz sie
in der historischen und aktuellen Medienwirkungs- und Gewaltforschung
einnehmen, inwiefern sie selbst es schaffen, eine reflexive Position zu diesen
Themenkomplex aufzubauen und wie der Regisseur die Debatte des Sichtbaren und
Nichtsichtbaren, des Zeigbaren und Nichtzeigbaren und damit die Grenzen
der Tabus versucht auszuloten.
Die Filmreihe
findet statt in Zusammenarbeit mit dem Proseminar III „Mediengewalt“ von
Isabell Otto. Der Besuch des Proseminars ist jedoch nicht verpflichtend für den
Besuch dieser Filmreihe.
Wer
sich trotz aller Freiheiten ein wenig auf die Debatte und das Problemfeld
vorbereiten will, dem sei hier empfohlen:
Fritz, Jochen/ Stewart, Neil (Hrsg.), Das schlechte Gewissen der Moderne.
Kulturtheorie und Gewaltdarstellung in Literatur und Film nach 1968,
Köln/Weimar/Wien 2006.
Hausmanninger,
Thomas (Hrsg.), Mediale
Gewalt. Interdisziplinäre und ethische Perspektiven, München 2002.
Kunczik, Michael/ Zipfel,
Astrid, Gewalt und Medien. Ein
Studienbuch. Fünfte, völlig überarbeitete Auflage, Köln u.a. 2006.
(Text von
Tobias Haupts, Quelle:
http://www.uni-koeln.de/phil-fak/fs-thefife/workshops_alte.htm)
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DER ASIATISCHE FILM, TEIL 2 (WS 06/07, mit Stefan Borsos)
Im Workshop „Der
asiatische Film, Teil 2“, den ich zusammen mit Stefan Borsos anbot, betreute
ich den Schwerpunkt Süd-Korea:
Während
das geradezu hypnotisierte Publikum die Entdeckung der bewegten Bilder
anderorts als revolutionäre Errungenschaft der Technik und neue Kunstform
pries, wurde der Film zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in Korea als ein
die Massen faszinierendes Werbeinstrument eingeführt. Vor allem Japan war
bestrebt, mithilfe des Mediums den Koreanern seine militärische und
wirtschaftliche Hegemonie zu demonstrieren. Seitdem musste sich die nationale
Filmkultur in problematischen und instabilen historischen Kontexten behaupten:
Mit
dem Ende der Choson-Dynastie und der Annexion von Japan unterlagen Koreas
kulturelle Texte einer strikten Kontrolle und Zensur. Die Bestimmungen zur
Annihilation der koreanischen Kultur und Assimilation des koreanischen Volkes
in das japanische Reich, wie etwa das
Verbot der koreanischen Sprache und Familiennamen, prägten auch die damalige
Filmindustrie und verdammte sie zum japanischen Propagandawerkzeug. Nach dem
ersehnten Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Filmindustrie ebenso gespalten
wie die Nation, die erst beschlossen worden war durch den Vertrag von Jalta und
sich dann vollzog durch die geographische Trennung in die Besatzungszonen
zweier widerstrebender Weltmächte und seit dem Koreakrieg in der Mitte des
Jahrhunderts bis heute besteht. Den Kriegswirren folgte in Süd-Korea eine
umstrittene autoritäre Militärregierung, die im Zuge ihrer radikalen
Modernisierungs-Maßnahmen erneut strenge Gesetze zur Reform der Filmindustrie
und Tilgung aller obszönen, subversiven und pro-kommunistischen Inhalte erließ.
Die zusätzliche Einführung eines gesetzlich geregelten Quotensystems für
Importe und heimische Produktionen bedingte einerseits eine weitere
Verschärfung der problematischen Produktionsbedingungen, während andererseits
die heimischen Produktionen in der Kinoauswertung geschützt und privilegiert wurden.
Doch die lokale Filmindustrie behauptete sich unter all diesen schwierigen
Bedingungen durch eine lebhafte Wandlungsfähigkeit und erfuhr ihren letzten
bedeutenden Entwicklungsschub durch die Demokratisierung in der letzten Dekade
des vergangenen Jahrhunderts. Die allgemeine Liberalisierung bescherte der
nationalen Filmindustrie nicht allein eine starke, selbstbewusste und
kommerziell erfolgreiche Binnenvermarktung, da einheimische Produktionen bei
den Einspielergebnissen Hollywoodblockbuster übertrafen, sondern auch eine
international florierende Bekanntheit, Beliebtheit und Wertschätzung auf
Festivals und Absatzmärkten. Seit Jahren schon wird in westlichen
filmwissenschaftlichen Diskursen das koreanische New-Wave-Cinema dank seiner
stilistischen Raffinesse und seines in Kreativität und Radikalität schier
unerschöpflichen Innovationsreichtums als legitimer Sukzessor des legendären
New-Wave-Kinos Hong-Kongs diskutiert. Dabei bestimmt ein kritisches Bewusstsein
dieser entbehrungsreichen Historie noch heute die Produktion und Rezeption der
süd-koreanischen Filme.
In
sieben zweiwöchigen Terminen werden wir uns diesem formal wie inhaltlich
facettenreichen Faszinosum anhand ausgewählter Filme von 1946 bis 2004 annähern
und dabei anhand populärer Blockbuster den jüngsten Entwicklungen besondere
Aufmerksamkeit zukommen lassen.
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